Platanenkult am Freiheitsplatz

Auf dem Freiheitsplatz sind fünf alte mächtige Platanen von Plänen, ein großräumiges Einkaufszentrum zu errichten bedroht. Doch glücklicherweise gibt es bei den Hanauer Grünen noch Kämpfer. Wochenlang sammelten Sie engagiert Unterschriften zum Erhalt der Bäume.

Mit einem eigenen Konzept für den Platz? Nein, dass sei zunächst nicht so wichtig, wurde dem Autor
dieser Zeilen beschieden, als er zu Beginn der Aktion nach eigenen Vorstellungen fragte. “Für den Erhalt der Bäume kann jeder unterschreiben”, begründete damals einer der Aktiven die Einschränkung auf die Baumfrage.

Eine komplexe Frage soweit vereinfachen, dass die Zustimmung maximiert wird. Das ist Populismus! Diskutiert wurde die Aktion nicht, lediglich organisiert. Über 1000 Unterschriften kamen zusammen. Die Unterschriftenaktion der Interessengemeinschaft Hanau Altstadt, bei deren Konzept die Bäume zur
Disposition stehen kam auf mehr als zweimal soviel Zuspruch. Und auch das Model ‘Nordbebauung’ hätte den Verlust einiger Platanen bedeutet.

Doch dies alles war im Frühjahr 2006 nicht wichtig. Man brauchte ein Mobilisierungsthema, vor allem für die Mobilisierung nach innen. An einer Beteiligung an einer Stadtregierung dachte damals niemand. So kam es wie es kommen musste. Die Grünen waren auf die Baumfrage fixiert und ihnen
blieb nichts, als ihr ganzes Gewicht in diese Frage zu legen.

In die Gestaltung des Freiheitsplatzes fliesen viele Aspekte. Ökonomische, soziale und eben auch ökologische. Einer davon ist der Baumbestand. Ahornblättrige Platanen sind beliebte Park- und Alleebäume. Doch es sind keine einheimischen Gewächse sondern eine Kreuzung von Amerikanischer- und Morgenländischer Platane. Wegen ihrer Robustheit gegenüber verdichteten
Böden und dem Stadtklima generell ist die Ahornblättrige Platane ein beliebter Straßenbaum in weiten Teilen des europäischen Kontinents. Auch die ausgesprochene Standfestigkeit spricht für die Verwendung als Straßenbaum. Die Platanen können mehrere hundert Jahre alt werden. Somit
spricht nichts gegen die Bäume auf dem Freiheitsplatz. Gehen wir davon aus, dass nach der Neugestaltung des Platzes der Automobilverkehr aus der unmittelbaren Umgebung verbannt ist, so könnet auch wieder weniger robuste einheimische Bäume dort Raum finden.

Daher lautet unsere Einschätzung: Das Gesamtkonzept muss stimmen. Der Platz muss Treff-, Aufenthalts- und Erholungsbereich werden. Dazu sind Bäume unerlässlich. Ideal wäre, die Platanen zu erhalten, ein Glaubensbekenntnis machen wir daraus nicht!

Der nächste wichtige, vielleicht noch wichtigere Bereich ist der Individualverkehr. Was der Parkplatzsuchverkehr auf dem Freiheitsplatz an unnötiger CO2 Emission verursacht, kann kein Platanenwald ausgleichen. Hier ist es dringend geboten, die Autos unter den Platz oder unter das
neue Einkaufszentrum zu legen. Dann kann der Freiheitsplatz endlich ins Parkleitsystem integriert werden. Oberirdische Parkplätze müssen komplett verschwinden, denn sonst drehen zig Autofahrer zunächst die nahezu aussichtslose Ehrenrunde zu diesen Plätzen, bevor sie ins Parkhaus fahren.
Das Parkhaus muss maßvoll dimensioniert werden. 400-450 Plätze reichen. Bei großen Veranstaltungen, offenen Sonntagen oder ähnlichem könnte ein Pendelbus vom CPH Parkhaus dieses für die Innenstadt nutzbar machen.

Fürs Umland ist der ÖPNV keine praktikable Lösung. Aber aus den Hanauer Stadtteilen muss es schnelle Verbindungen in die City und zum Bahnhof geben.

Auch an ein neues Einkaufszentrum sollten ökologische Ansprüche gestellt werden. So sollten die Investoren Berechnungen über den Energieverbrauch, die Energieeffizienz und den verursachten CO2 Ausstoß vorlegen. Die Solaroffensive der Stadt, die hoffentlich bald den Weg aus dem Saal der
Stadtverordnetenversammlung auf die Dächer findet, sollte auch bei solch einem großen Neubauprojekt greifen. Wie soll das Gebäude beheizt werden? Einfach mit Gas oder kommen Fernwärme, Holzpellets oder Erdwärme in Betracht?

Viele Fragen, die nicht nur beim Freiheitsplatz, sondern allen Projekten (Schlachthof, Gleisbauhof, Konversionsflächen,…), eine kritische und sachkundige Begleitung erfordern. Viel Arbeit also für die neue Stabsstelle Umwelt. Diese ist laut Kooperationsvertrag des Kleeblatts unmittelbar in die Investorengespräche eingebunden. Hier erwarten wir eine sachkundige und durchsetzungsfähige Umsetzung der Aufgaben, bei der sich der Blick nicht auf die Platanen verengt.

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