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[28.4.2009] Hier geht es zur Wahlumfrage zur OB Wahl: Was wählen Sie?
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Wie schätzungsweise 99,9% der Hanauerinnen und Hanauer habe ich den Namen bis heute (18.10.2008) noch nie gehört. Ludger Wösthoff und Franz Ott haben ihn heute als Bewerber um die Kandidatur für die Wahl des Hanauer Oberbürgermeisters vorgestellt. Lange hatte die Hanauer CDU gesucht, vor wenigen Tagen wurde sogar in der Presse darüber spekuliert, dass die CDU ganz auf einen Kandidaten verzichten würde. Das die CDU die ehemalige OB Margret Härtel ins Rennen schickt, wie ich hier vor einigen Wochen spekuliert hatte, war nicht wirklich realistisch.
Nun wurde mit Herrn Dassinger ein auswärtiger Bewerber aus dem Hut gezaubert. Er ist zur Zeit Bürgermeister der 6500 Einwohner zählenden Samtgemeinde Dahlenburg in der Lüneburger Heide. Da bin ich wieder auf ein meiner zahlreichen Bildungslücken gestoßen. Mit Samt (und Seide?) habe ich die Lüneburger Heide bislang nicht verbunden. Dank Wikipedia ist die Lücke schnell geschlossen. In Niedersachsen bezeichnet man den Zusammenschluss mehrere kleiner Gemeinden zu einer Verwaltungseinheit als Samtgemeinde, also samt von gesamt gleich zusammen.
Dort wurde er vor zwei Jahren ebenfalls als auswärtiger Bewerber ‘aus dem Hut gezaubert’. Seine Wurzeln hat er jedoch in Rodgau. Vor einer Woche hat er aus seinem privatem Umfeld erfahren, dass die Hanauer CDU immer noch keinen Kandidaten hat. Da hat er sich kurzerhand mit der Findungskommission in Verbindung gesetzt, einige Gespräche geführt und schon hatte die CDU ihren Kandidaturkandidaten.
Mit einem externen Bewerber wurde ja gerechnet, aber da hatte ich eher einen B-Prommi aus der Landespolitik erwartet. Bis zur Wahl muss sich der Kandidat bekannt machen und ein Profil geben. In der Tat eine ambitionierte Herausforderung, zumal Herr Dassinger auch noch seinem Amt als Bürgermeister in Dahlenburg nachkommen muss.
Sollte er tatsächlich gewählt werden, findet er in Hanau eine ähnliche politische Konstellation vor, wie in Dahlenburg. Dort hat ein Bündnis aus SPD, Grünen und Freien Wählern die Mehrheit im Stadtrat. In Hanau sähe er sich dem Kleeblattbündnis von SPD, FDP, Grünen und BfH gegenüber. Er müsste mit diesem Bündniss zusammen arbeiten oder versuchen neue Koalitionen zu schmieden.
Der Blick nach Dahlenberg macht da wenig zuversichtlich. Das dortige Mehrheitsbündnis wirft dem CDU Bürgermeister mangelnde Kooperation und Kommunikation vor. Offensichtlich haben nicht nur persönliche Gründe, eben die räumliche Nähe zur Familie, zu Herrn Dassingers Entscheidung geführt, sich aus Dahlenberg weg zu bewerben. Bereits im Januar 2008 hatte sich Herr Dassinger auf die Stelle eines Beigeordneten nach Mannheim beworben. Gerade einmal 1 1/4 Jahre nachdem er für 8 Jahre als Bürgermeister gewählt wurde. Auch ich habe mich mal vor Jahren bei der Jobwahl ‘vergriffen’ und bereits nach einem Jahr wieder eine andere Stelle angenommen. Aber ein Bürgermeister wird gewählt, mit und für ein Programm und mit dem persönlichen Versprechen dies in seiner Amtszeit auch umzusetzen. Da muss es schon gewichtige Gründe geben, nach einem Jahr wieder auf Jobsuche zu gehen. Die privaten Gründe zählen hier nicht, denn wo Dahlenberg liegt, wusste Herr Dassinger auch vor seiner dortigen Kandidatur.
Es gibt somit einigen Erklärungsbedarf zur Motivation und Zuverlässigkeit des Kandidaturkandidaten. Grundsätzlich ist es nicht verwerflich, politische Karriere machen zu wollen. Es wäre schließlich schon ein bedeutender Schritt vom Bürgermeister fünfer Dörfer zum Oberbürgermeister einer 100.000 Einwohner Stadt. Doch politische Macht anzustreben ist nur dann legitim, wenn sie angestrebt wird, um Inhalte umzusetzen, von denen man überzeugt ist. Auf die Inhalte für Hanau und die Überzeugungskraft des Kandidaten kommt es an. Ist er darin stark, wird die Hanauer CDU vom OB Wahlkampf profitieren, gleich, ob es gegen den Amtsinhaber letztendlich reicht. Stellt sich der Kandidat allerdings als Zählkandidat heraus, der vor allem auf die, für die CDU im Vergleich zur SPD, bessere politische Großwetterlage setzt, wird die Hanauer CDU weiteren Schaden nehmen. Keine leichte Entscheidung für die Mitgliederversammlung der CDU, die schließlich noch darüber zu befinden hat, ob aus dem Kandidatenkandidat ein Oberbürgermeisterkandidat wird.
1.11.2008: Vor ein paar Tagen fand ich in der Lünepost einen Artikel zum Thema Dassinger will weg aus Dahlenburg. Die Samtgemeinde Dahlenburg soll mit zwei weiteren Kommunen fusioniert werden. Dadurch würde das Bürgermeisteramt in Dahlenburg entfallen. Dies sei der entscheidende Grund für den geplanten Absprung aus Dahlenburg. Auf Nachfrage teilt mir Herr Dassinger mit, dass bei seiner Bewerbung 2005 das Thema Fusion in Dahlenburg überhaupt nicht vorhanden war. Für die Gemeinde Dahlenburg wurden die Fusionspläne in den letzten Monaten konkret. Zur Zeit würden verschiedene Szenarien geprüft. Vollzogen wird die Fusion dann voraussichtlich zum 1.11.2011. Herr Dassinger hält die Fusion für notwendig, da sie die einzige Chance für die drei strukturschwachen Gemeinden darstellt, zukunftsfähig zu werden.
18.11.2008: Gestern Abend hat die CDU Joachim Dassinger mit 67:22 Stimmen bei 6 Enthaltungen aufgestellt. Die kleine Umfrage wird damit beendet.
Bei der Stadtentwicklung ist die CDU auf dem richtigen Weg. Lesen Sie auch: Kinzigbogen steht gegen Wettbewerblichen Dialog
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